Komponiere dein Leben...

Saranda

Ein heilsames Geschenk von Guru Arjan Dev

Dieses Instrument wurde von Guru Arjan Dev (1563 – 1606), dem fünften der Sikh Gurus, selbst konzipert und entwickelt. Guru Arjan war der jüngste Sohn von Guru Ram Das, dem vierten Guru der Sikhs. Der Fokus bei der Gestaltung des Instruments lag auf dem Einsatz der Saranda zu Heilzwecken. Der tiefe Klang dieses wunderschön verzierten Instruments wirkt in seiner besonderen Harmonie und Schwingung gleichermaßen heilsam auf den Musiker wie auf seine Zuhörer. Die Geschichte der Sikh Gurus liefert viele Hinweise dafür, dass die Gurus nicht nur spirituelle, gesellschaftliche, politische und meist auch militärische Führungsfiguren, sondern ebenfalls praktizierende und hingebungsvolle Musiker waren. Sie waren auch Yogis, Poeten und Komponisten. Guru Arjan selbst schrieb 2218 Hymnen in 30 verschiedenen Raags. Guru Arjan war es auch, der die Bedeutung der Musik für die tägliche spirituelle Praxis unterstrich: Er legte seinen Landsleuten nahe, diese Form der spirituellen Musik zu erlernen und zu praktizieren – was vorher nur wenigen, professionellen Musikern vorbehalten war. Die Saranda gleicht im Aufbau bis auf wenige Unterschiede der Sarangi, die ebenfalls ein „blind“ zu spielendes Instrument ist, d. h. ohne Stege. Wie die Sarangi verfügt die Saranda über drei Darm-Saiten sowie eine Vielzahl an mitschwingenden Metall-Saiten.

Sarangi

Das Instrument der hundert Farben

Die Sarangi, ein klassisches indisches Instrument und eine Ur-Form der Geige, wurde von Guru Hargobind (1595 – 1644), dem sechsten der Sikh Gurus in die spirituelle Musik der Sikhs eingebracht. Der Sarangi wird nachgesagt, der menschlichen Stimme von allen Musikinstrumenten am ähnlichsten zu sein. Die Sarangi wird deswegen auch als das Instrument der hundert Farben bezeichnet, weil sie im Klang soviel unterschiedliche Nuancen wie die menschliche Stimme produzieren kann. Die Sarangi wurde zu Zeiten Guru Hargobinds vor allem dafür eingesetzt, die Krieger vor dem Kampf zu zentrieren und ihre spezielle Wirkung liegt darin, Gefühle von Mut und Tapferkeit zu erwecken. Zugleich kam die Sarangi seit der Zeit Guru Hargobinds auch im Tempel zum Einsatz. Balladen wie „Asa Ki Var“ wurden damals bevorzugt auf der Sarangi gespielt. Diese Balladen dienten dazu, die Unterdrückten zu ermutigen, die bereits erwähnten Eigenschaften von Furchtlosigkeit, Selbst-Respekt, Tapferkeit und Mut zu entwickeln. Seit der Kolonialzeit verschwanden jedoch all diese kraftvollen Musik-Instrumente der Gurus aus den Tempeln und damit auch aus dem Bewusstsein der Menschen.

Dilruba

Ein Instrument, das einem das Herz stiehlt

Auf Guru Gobind Singh (1666 – 1708), den zehnten Sikh Guru, der auch das große und wunderschöne Instrument „Taus“ kreiert hat, ist auch die Entstehung der Dilruba zurück zu führen. Die „Taus“, welche in der Form einem Pfau gleicht und durch ihren großen Klangkörper besticht, war für viele Sikhs im Alltag der damaligen Zeit zu unhandlich. Die Dilruba ist speziell dafür geschaffen worden, leicht und einfach transportiert werden zu können und dennoch einen ähnlichen Klang wie die massive „Taus“ zu entwickeln. Der sanfte, schmeichelnde und zugleich deutliche Klang der Dilruba vermag sofort Glücksgefühle voller Vitalität zu erwecken. Dilruba eignet sich für Menschen, die wenig Zeit haben und dennoch durch ihr tägliches Üben eine neue Qualität in ihr Leben bringen möchten – Menschen, die voll im Leben stehen. Da die Dilruba über Stege verfügt, ist sie genauso wie die Taus etwas leichter und schneller zu erlernen als die Sarangi und die Saranda. Auf der Dilruba finden sich im Gegensatz zu Saranda und Sarangi im Normalfall nur Metall-Seiten und keine Darm-Saiten. Dilruba ist ein persisches Wort, das übersetzt in etwa „Herzensstehler“ bedeutet.

Taus

Die Stimme und Schönheit eines Pfau

Die Taus, das größte und formschönste Instrument in dieser Reihe, wurde von Guru Gobind Singh (1666 – 1708), dem zehnten Sikh Guru, noch vor der Dilruba entworfen. Es besticht äußerlich durch seinen großen Klangkörper mit reichen Verzierungen, gekrönt von einem geschnitzten Pfauenkopf. Dieses Instrument kreiert eine dichte, reichhaltige und beeindruckende Klangstruktur. „Taus“ ist das persische Wort für Pfau. Die Taus hat vier Haupt-Saiten aus Metall, auf denen gespielt wird, und 16 weitere mitschwingende Metall-Saiten. Die Stege der Dilruba und der Taus sind im Gegensatz zu westlichen Instrumenten flexibel fixiert und müssen deshalb zu Beginn erst genau ausgerichtet werden. Alle hier vorgestellten Instrumente verändern sich in ihrer Klangqualität und Lautstärke nach einer gewissen Zeit des Einspielens und entwickeln zudem nach und nach einen eigenen Charakter.

Rabab

Von Anfang an der Schatten Guru Nanaks

Guru Nanak (1469 – 1539), der erste Sikh Guru und der Begründer dieser Bewegung und spirituellen Linie, nutzte von Anfang an Musik, um den Menschen seine Botschaft zu vermitteln – eine Botschaft, die sich an Herz und Verstand gleichermaßen richtete. Immer unterwegs und immer in Begleitung seines ersten Schülers und langjährigen Gefährten Bhai Mardana (1459 – 1534), war Guru Nanak Dev Ji ein Naad Yogi der ersten Stunde. Bhai Mardana begleitete ihn nicht nur auf seinen Reisen, sondern auch auf der Rabab, einem der Gitarre ähnelnden Zupf-Instrument. Guru Nanak hat seine Worte voller Poesie von Anfang an mit Klängen und Gesang verbunden, weil er der Meinung war, dass diese eine Art Echo in der Seele des Zuhörers hervorrufen würden. Bevor Guru Nanak mit seinen Shabads begann, stimmte die Rabab die Zuhörer auf den jeweiligen Raag ein, den Tonfall, mit dessen Hilfe Guru Nanak seine Botschaft in diesem Moment am besten transportieren konnte. Die Rabab hat im Gegensatz zur Gitarre keine Stege. Die Tonhöhe muss daher gehört und gefühlt werden. Das rhythmische Zupfen der einzelnen Töne hat einen ganz eigenen Klang, der sich stark von den anderen hier vorgestellten Instrumenten unterscheidet.
» Film über Guru Nanak

Jori

Rhythmus in seiner ursprünglichen Form

Bevor gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge der Kolonialisierung Indiens das Harmonium und die Tabla an die Stelle der traditionellen Saiten-Instrumente und der Jori traten, war Jori das täglich verwendete Instrument für die rhythmische Untermalung der Shabads. Jori sind so aufgebaut, dass der Klang auch ohne Mikrofone im Freien für viele Zuhörer gut wahrnehmbar ist. Innerhalb der Naad-Yoga-Lehrerausbildung wird ein eigenes Ausbildungsprogramm für Jori angeboten. Im Zentrum steht hier der Rhythmus und das Erlernen der verschiedenen „Taals“ (Rhythmen). Wer sich für diesen Weg entscheidet, wird zum Rhythmus-Spezialisten und kann später Kirtan-Gruppen rhythmisch begleiten. Bekannte Rhythmen, die geübt werden, sind bspw. der Ek Taal (12 Beats), Teen Taal (16 Beats), Deepchandi (14 Beats) oder Rupak (7 Beats). Manche Raags werden auch im sogenannten „Partaal“ gespielt. Hierbei handelt es sich um verschiedene Rhythmen, die sich innerhalb einer Komposition abwechseln. Welches Instrument auch immer als Hauptinstrument gewählt wird, diese Ausbildung ist ein ganzheitlicher Prozess, bei dem sich der Student mit seiner gesamten Persönlichkeit einbringt und weiterentwickelt – ein transformativer Prozess, der weit über das Erlernen eines klassichen, indischen Musikinstrumentes hinausgeht. Wichtig ist es an dieser Stelle nochmals zu betonen, dass man dafür nicht „besonders“ musikalisch sein muss – jeder Mensch, dessen Herz schlägt, verfügt über Rhythmus-Gespür. Die positive Wirkung vom Üben im Rhythmus zeigt sich nicht zuletzt darin, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.
Es geht hierbei um die Struktur der Musik, was vorallem die linke Gehirnhälfte trainiert und fördert.

Mehr Informationen zu allen Instrumenten in der nordindischen Tradition: » Sikh Saaj